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1.Leben

Evelyn oder Evi ist ein echtes Hessemädche im Bayernasyl.

Geboren am 24.April 1955, Sternzeichen Stier oder nach dem chinesischen Horoskop eine Ziege - sollte mir das vielleicht etwas sagen ?

 

Ich war ein zierliches Kind, was meine Oma dazu anspornte mich mit allen Mitteln zu mästen, was ihr auch hervorragend gelang. Wie die meisten kleinen Mädchen hatte ich einen Hang zu Pferden, der mit Onkel Arturs Klepper Max begann und sich über das Fjordpferd Lord beim Ponyreiten auf dem Rummel fortsetzte. Mit zwölf bekam ich einen Reitkurs geschenkt, wohl in der Hoffnung das ich

a) etwas abnehmen würde

oder

b) die Sache damit ausgestanden wäre.

Beide Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ich blieb dick und ich liebte Pferde. Nach zwei Reitkursen hatte ich ein Pflegepferd zu versorgen, aber als er verkauft wurde, war meine Karriere als Reiterin vorbei.

Mit 18 stürzte ich mich in eine Ehe, die immerhin 26 Jahre hielt. Zwei Kinder, ein Haus, eine Firma, viel Arbeit, aber mir ging es gut.

Mit 37 stand ich auf einer Pferdemesse vor den Friesen. Traumpferde, und ich hatte den Virus in mir. Der Beschluss war gefasst und der Spott der Pferdeleute zu Hause war mir sicher. Ein Pferd mit Behang an den Beinen gehört vor die Kutsche und nicht auf den Dressurplatz.

 

Als ich Regent 1991 kaufte war er knapp drei Jahre alt und hatte gerade den Verlust seiner männlichen Zierde zu beklagen. Zusammen mit ihm lernte ich wieder reiten und er bewahrte Ruhe - ein Vorzug, den meine Reitlehrerin immer mit dem Satz kommentierte: “Was glaubst Du, wohin dich jeder normale Dreijährige jetzt gekickt hätte..”

Naja, das kicken wäre nicht einfach gewesen, ich war ja nicht unbedingt der schlanke Reitertyp kurz gesagt :

WIR SIND NICHT DICK - WIR SIND BAROCK

Mit vierzig geschah etwas, was mein Leben veränderte. Ich hatte einen Schlaganfall. Nichts war mehr so, wie es war. Die Aussage meines Mannes “sie ist nicht mehr die Gleiche”

traf den Nagel auf den Kopf und tat weh.

Ob es der Grund war, das ich ihn fünf Jahre später, ein Jahr nach der Silberhochzeit, verlassen habe, ich weiß es nicht, auf jeden Fall ist es der Satz, der mich am meisten getroffen hat

Ein Wohnklo war schnell gefunden, der Auszug ging genau so schnell Die Tatsache, das ich mit meinen Auszug aus diesem Leben auch gleichzeitig meinen Arbeitgeber verloren hatte, war weit schlimmer. Nach einem knappen Jahr nahm ich einen Job in einer Bäckerei an, denn das Arbeitslosengeld war knapp für jemand , der ein Pferd zu versorgen hatte.

Ich fing wieder an zu leben, arbeitete Schicht, verschwand manchmal am Wochenende gleich nach der Arbeit gottweiswohin um erst am Montag kurz vor der Arbeit wieder zu kommen.

Irgendwann kam die Frage eines lieben Freundes: “könntest du dir vorstellen hier bei mir zu leben ?”

Das war der Aufbruch in mein zweites Leben.